Item type:Masterarbeit, Open Access

Kriminalprävention in Hessen: Bestandsaufnahme der Präventionsstruktur, Projektplanung und Kooperation in hessischen Kommunen

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Philipps-Universität Marburg

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Zusammenfassung

Kommunale Kriminalprävention zielt auf die Reduktion von Kriminalität und kriminalitätsbezogener Unsicherheit, sog. Kriminalitätsfurcht. Darüber hinaus fokussiert Kommunale Kriminalprävention auf den Abbau von kriminalitätsfördernden Strukturen und die Förderung des sozialen Zusammenhalts. Kommunale Kriminalprävention basiert auf den drei Säulen lokale Orientierung, ressortübergreifende Vernetzung aller für die Sicherheitsproduktion relevanten lokalen Akteur*innen, und Einbindung der Bürger*innen. Traditionell setzt Kommunale Kriminalprävention an der Stärkung sozialer Kontrolle im Wohnquartier oder städtebaulichen Maßnahmen an, um Kriminalität vorzubeugen, Tatgelegenheitsstrukturen zu reduzieren bzw. Lebensqualität zu steigern. Ergänzend schlägt das Konzept der Prävention durch Partizipation vor, psychologische und soziologische Ursachen für die Entstehung von aggressivem Verhalten zu berücksichtigen und präventiv zu adressieren. Ressortübergreifende Zusammenarbeit braucht geeignete Umsetzungsstrukturen. In einschlägigen Veröffentlichungen wurden Empfehlungen, Leitlinien und Unterstützungshilfe zur Strukturierung von Gremien und Ausgestaltung professioneller Projektarbeit publiziert. Bewährt hat sich demnach die Einrichtung einer Lenkungsgruppe als Entscheidungsinstanz, einer Geschäftsstelle zur Gewährleistung evidenzbasierter, kontinuierlicher Projektarbeit und ggf. Arbeitsgruppen zur Beteiligung einer Vielzahl von Akteur*innen. Im Rahmen der vorliegenden Qualifikationsarbeit wurden die 50 einwohnerstärksten Kommunen Hessens zu ihrer kriminalpräventiven Gremienstruktur und Präventionsarbeit befragt. Die Ausarbeitung der Befragung erfolgt in Anlehnung an bundesweite Bestandsaufnahmen von Schreiber (2007, 2019) und im Abgleich mit den oben genannten Empfehlungen zur Organisationsstruktur, Projektarbeit und Kooperationskultur. Methodisch wurde eine zweiteilige Onlinebefragung konzipiert: Zunächst wurde erfragt, ob Kriminalpräventionsstrukturen existierten. Wenn dies der Fall war, wurden den verantwortlichen Vertreter*innen vertiefende Fragen zu Struktur, Projektarbeit und Kooperation vorgelegt. Die Rücklaufquoten betragen 70% für Fragebogen eins und 85.3% für Fragebogen zwei. Knapp die Hälfte der teilnehmenden Präventionsgremien berichten, dass bei ihnen die empfohlene Gremienstruktur und Aufgabenteilung zwischen Lenkungsgruppe, Geschäftsstelle und Arbeitsgruppen umgesetzt wird. Als Hauptzielgruppe der Präventionsarbeit werden Kinder und Jugendliche benannt. Junge Erwachsene oder Geflüchtete als Zielgruppen der Präventionsarbeit werden kaum adressiert, ungeachtet der aktuellen Sicherheitsherausforderung. Außerdem fällt auf, dass relevante Präventionsakteur*innen, nämlich die Justiz, Schulen und freien Träger sowie Bürger*innen nur in geringerem Maß in die Präventionsarbeit eingebunden sind. Ca. drei Viertel der Kommunen geben an, eine datenbasierte Sicherheitsanalyse zu erstellen. Die Mehrheit der Kommunen berichtet außerdem, ein gemeinsames Sicherheitsverständnis und eine ressortübergreifende Kooperation etabliert zu haben. Etwa die Hälfte der Kommunen setzt einzelne Beccaria-Standards professioneller Projektarbeit um, indem sie z.B. Präventionsziele definieren. Trotz des Anspruchs, evidenzbasierte Präventionsarbeit zu betreiben, sind wissenschaftliche Einrichtungen in die praktische Präventionsarbeit nur marginal einbezogen.

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Weißmann, Katja: Kriminalprävention in Hessen: Bestandsaufnahme der Präventionsstruktur, Projektplanung und Kooperation in hessischen Kommunen. : Philipps-Universität Marburg 2024-08-21. DOI: https://doi.org/10.17192/ed.2024.0003.