Item type:Thesis, Open Access

Allergische Reaktionen im Rahmen von Anästhesieverfahren - Die Bedeutung von Hauttests mit ausgewählten Opioiden und Narkotika

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Philipps-Universität Marburg

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Abstract

Perioperative Anaphylaxien sind lebensbedrohliche Ereignisse, welche selten auftreten, bei denen jedoch eine hohe Dunkelziffer vermutet wird, da die anaphylaktische Reaktion aufgrund zum Teil ähnlicher dosisabhängiger Nebenwirkungen der verabreichten Medikamente leicht verkannt werden kann. Um erneute lebensbedrohliche Situationen zu vermeiden, ist die Identifikation des verursachenden Medikamentes sehr wichtig. Da im perioperativen Setting mehrere Medikamente gleichzeitig bzw. in kurzen Zeitabständen verabreicht werden, ist die Detektion des für die anaphylaktische Reaktion verantwortlichen Arzneimittels hier besonders schwierig. Umso wichtiger ist es, bei einem Verdacht eine umfangreiche, möglichst aussagekräftige Diagnostik durchführen zu können. Hier stellt die Hauttestung das Mittel der ersten Wahl dar, vor allem da Provokationstestungen als Goldstandard der Allergiediagnostik aufgrund des Wirkmechanismus der Medikamente (beispielsweise Atemdepression bei Narkotika) nicht ohne Weiteres praktikabel sind, sondern z. B. ein anästhesiologisches Monitoring erfordern. Diverse Methoden der in vitroDiagnostik stellen eher die Mittel zweiter Wahl dar, zum einen da sie (im Falle der IgE-Bestimmung) für manche Medikamente nicht zur Verfügung stehen bzw. (im Falle des Basophilenaktivierungstests (BAT)) nicht standardisiert sind und die Durchführung aufwändig ist (es wird Frischblut benötigt, der Versand ist nicht praktikabel, sodass die Durchführung nur in Zentren möglich wäre). Auch wenn perioperative Anaphylaxien am häufigsten durch Muskelrelaxantien, Antibiotika und Latex verursacht werden, zeigt sich, dass auch Opioide und Hypnotika potentielle Auslöser sein können, zumal Propofol und Fentanyl aufgrund ihres häufigen Einsatzes nahezu immer zu den verdächtigen Substanzen gehören. Gerade, da bei Opiaten, Thiopental und Propofol histaminfreisetzende Eigenschaften bekannt sind, stellt sich die Frage, ob diese Medikamente in Hauttests gehäuft zu falsch positiven Ergebnissen führen. 72 Aufgrund dessen wurden in dieser Pilotstudie 33 Patienten aus der Klinik für Dermatologie und Allergologie des Universitätsklinikums Marburg im Hauttest (Pricktest und ggf. Intracutantest) getestet. Die Patienten hatten zuvor eine Vollnarkose ohne anaphylaxieverdächtige Zwischenfälle durchlaufen und damit Propofol und Fentanyl nachweislich vertragen. Zum Zeitpunkt der Testung (Oktober 2014 bis Mai 2015) existierte keine vergleichbare Studie mit in-vivo nachgewiesener Verträglichkeit der Testsubstanzen. Zusätzlich zur Prüfung klinischer Anzeichen wurde der Verlauf der Tryptase bestimmt, um eine intraoperative Anaphylaxie auf eines der während der Operation verabreichten Medikamente ausschließen zu können. Ergänzend wurden die Patienten auf das Vorliegen einer Atopie getestet und anamnestisch Vorerkrankungen und mögliche frühere Operationen in Vollnarkose erfragt, um im Falle positiver Ergebnisse mögliche Einflussfaktoren detektieren zu können. Bei einzelnen Patienten erfolgte außerdem ein Basophilenaktivierungstest mit Propofol. Die Ergebnisse der Hauttests zeigten, dass Fentanyl, Propofol und Thiopental in den in dieser Arbeit verwendeten Konzentrationen keine falsch positiven Hauttestergebnisse hervorrufen. Für diese drei Medikamente liegt also im Einklang mit der Literatur eine hohe Spezifität der Hauttestung vor. Da in der Literatur bei diesen drei Medikamenten falsch negative Testergebnisse beschrieben sind, sollte perspektivisch die Sensitivität der Tests untersucht werden. Beim Morphin wiederum führte die Hauttestung bei allen Patienten zu falsch positiven Ergebnissen, bei den meisten bereits in der Pricktestung. Einen statistisch signifikanten Einflussfaktor von Geschlecht, positivem Atopiestatus oder Operationen in der Vorgeschichte darauf, ob die Reaktion im Pricktest oder erst im ICT stattfand, konnte nicht ausgemacht werden. Ebenso konnte kein Einfluss besagter Parameter auf die Quaddelgröße festgestellt werden. Dies und die geringe Spezifität der Morphintestung stimmen mit Erkenntnissen aus der Literatur überein und lassen die Schlussfolgerung zu, dass Hauttests bei Verdacht auf eine allergische Reaktion auf Morphin nicht aussagekräftig sind.
Perioperative anaphylaxis is a life-threatening event that occurs rarely but is suspected to be highly underrated as the anaphylactic reaction can easily be unrecognized due to similar dose-dependent side effects of the medication administered throughout anesthesia. In order to avoid further life-threatening situations it is very important to identify the drug causative for anaphylaxis. Since several drugs are administered simultaneously or during a short period of time the identification of the responsible drug is very difficult. This makes it even more important to start substantial diagnostics whether an anaphylactic reaction is suspected. In this regard skin testing is the first choice since drug provocation tests as the gold standard in allergy diagnostic require special precautions like anesthesiological monitoring due to the natural drug effect (e. g. respiratory depression through narcotics). Various methods of in vitrodiagnostics tend to be second choice, as they are not available for some drugs (in the case of IgE determination) or because of the lack of standardization (in the case of basophil activation test (BAT)). In addition the implementation of the BAT is difficult as fresh blood is needed and shipping is not practical so specialized centres would be required. Even though perioperative anaphylaxis is most commonly caused by muscle relaxants, antibiotics, and latex it has been shown that opioids and hypnotics can also be potential triggers. Due to their frequent use they are mostly one of the suspected substances. Since Morphine, Thiopental and Propofol are known to induce histamine release the question arises whether these drugs provoke false positive results in skin tests. That is why 33 patients from the Department of Dermatology and Allergology of the University Hospital Marburg were skin tested (prick test and intracutaneaous test) for this pilot study. The patients had previously undergone general anesthesia without any incidents being suspicious of anaphylaxis, thus the tolerance of the administered drugs (propofol and fentanyl) was proven. At the time of testing (October 2014 to May 2015) there was no comparable study with in vivo-proven tolerance of the test substances. 74 In order to exclude intraoperative anaphylaxis tryptase levels were measured during the operation. In addition, the patients were tested for atopy and asked about their history of previous illnesses and the number of previous operations in order to be able to identify possible influencing factors in case of positive results. A basophil activation test was also performed with propofol in individual patients. The results of the skin tests showed that fentanyl, propofol and thiopental did not produce false positive results at the concentrations used in this work. In accordance with the literature, there is a high specificity of the skin tests for these three drugs. As some false negative skin test results can be found in the literature, the sensitivity of skin tests needs to be assessed. Regarding the opiate morphine we see that it leads to false positive results in all patients most frequently already in the skin prick test. No statistically significant factor (gender, atopy status, previous operations) could be identified whether the positive reaction occurred in ICT or already in the skin prick test. Likewise no influence of the mentioned parameters on wheal size could be determined. This and the low specificity of skin tests with morphine are consistend with findings from the literature and show that skin tests can not be used to prove morphine allergy.

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Visse, Johanna Magdalena: Allergische Reaktionen im Rahmen von Anästhesieverfahren - Die Bedeutung von Hauttests mit ausgewählten Opioiden und Narkotika. : Philipps-Universität Marburg 2025-02-12. DOI: https://doi.org/10.17192/z2025.0031.