Stigmatisierung von weiblicher Sexarbeit. Eine ethnographische Feldforschung
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Philipps-Universität Marburg
Abstract
Die Arbeit untersucht die gesellschaftliche Stigmatisierung weiblicher Sexarbeit aus einer ethnographischen Perspektive. Ziel der Forschung ist es, die Erfahrungen und Sichtweisen von Akteur*innen der Sexarbeit im Hinblick auf ihre Stigmatisierung zu erfassen und Strategien aufzuzeigen, wie sie mit den ihnen zugeschriebenen Vorurteilen umgehen. Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Wie erleben Akteur*innen der Sexarbeit die ihnen gesellschaftlich zugeschriebenen Stigmata und wie ist ihr Umgang mit der Stigmatisierung?“
Im Rahmen einer qualitativen Feldforschung wurden teilnehmende Beobachtungen in einem Laufhaus und auf dem Straßenstrich durchgeführt sowie acht leitfadenorientierte Interviews mit verschiedenen Akteur*innen geführt. Zu den interviewten Personen zählen Sexarbeiterinnen, Bordellbetreiber*innen, Kunden sowie eine Mitarbeiterin beim Gesundheitsamt und bei einer Fachberatungsstelle. Die Datenanalyse erfolgte nach der Grounded Theory, wobei theoretische Konzepte von Erving Goffman zum Begriff des Stigmas einen wichtigen Bezugsrahmen darstellten.
Die Ergebnisse zeigen, dass Stigmatisierung tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben und Selbstbild der Akteur*innen hat und heben die Bedeutung individueller Bewältigungsstrategien vor. Besonders deutlich wird, dass viele Sexarbeiterinnen ein Doppelleben führen und durch bewusste Verleugnung ihrer Tätigkeit versuchen, gesellschaftlicher Ächtung zu entgehen. Gleichzeitig berichten einige Akteur*innen von Stolz und Empowerment durch ihre Arbeit, was ebenfalls als Strategie zur Bewältigung von Diskriminierung und Marginalisierung dienen kann.
Die Arbeit bietet einen umfassenden Beitrag zur empirischen Kulturwissenschaft und leistet einen wichtigen Beitrag zur Enttabuisierung und differenzierten Betrachtung von Sexarbeit, indem sie die Stimmen der Betroffenen in den Mittelpunkt stellt.
This thesis investigates the social stigmatization of female sex work from an ethnographic perspective. The research aims to capture the experiences and perspectives of sex work actors regarding stigmatization and to identify strategies they employ to cope with the prejudices assigned to them. The central research question is: "How do sex work actors experience the social stigmas assigned to them, and how do they cope with this stigmatization?"
The qualitative fieldwork included participant observations in a brothel and on the street, as well as eight semi-structured interviews with various actors, including sex workers, brothel operators, clients, and representatives from public health authorities and counseling centers. The data analysis was conducted using Grounded Theory, with Erving Goffman's theoretical framework on stigma serving as a critical reference.
The findings reveal that stigmatization profoundly affects the lives and self-perceptions of sex work actors, highlighting the importance of individual coping strategies. Many sex workers maintain a double life, consciously concealing their occupation to avoid social rejection. At the same time, some actors report feelings of pride and empowerment through their work, which also serves as a strategy for managing discrimination and marginalization.
This research contributes significantly to empirical cultural studies by fostering a more nuanced and destigmatized understanding of sex work, placing the voices of those affected at the center of the discourse.