Syriens Sicherheitsapparat: Rolle und Einfluss exilierter Nationalsozialisten im Aufbau von Militär und Geheimdiensten zwischen 1945 und 2001
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Philipps-Universität Marburg
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Die Studie untersucht den Einfluss exilierter Nationalsozialisten auf den Aufbau des syrischen Sicherheitsapparats nach der Unabhängigkeit Syriens im Jahr 1946. Aufbauend auf den Strukturen der französischen Mandatszeit modernisierte der junge Staat seine Geheimdienste und Streitkräfte unter systematischer Rekrutierung ehemaliger SS- und Wehrmachtsoffiziere. Diese brachten ihr Wissen und ihre im Zweiten Weltkrieg gewonnenen Erfahrungen im Rahmen von vier Missionsphasen zwischen 1948 und 1956 ein. Auch unabhängig von diesen Gruppen waren teils schwer belastete Nationalsozialisten zwischen 1947 und den 1980er Jahren für syrische Regierungen tätig und wurden von diesen vor der Nachkriegsjustiz geschützt. Ihre Tätigkeiten umfassten nahezu alle sicherheitsrelevanten Bereiche: von Ausbildung, Personenschutz und persönlicher Beratung der Präsidenten bis hin zur Einführung von Foltermethoden, Spionageabwehr und aktiver Kampfbeteiligung. Ihr Beitrag zur Entwicklung eines sich herausbildenden Systems der Repression und Vernichtung war begrenzt, aber keineswegs unerheblich; die Idee des sogenannten Dritten Reichs diente Syrien nachweislich als ideeller Referenzpunkt. Die gewonnenen Erkenntnisse leisten damit einen Beitrag zu einem vertieften Verständnis der syrischen Mukhabarat, zur Erforschung der transnationalen NS-Nachgeschichte sowie zur Aufarbeitung einer verflochtenen deutsch-syrischen Zeitgeschichte, deren institutionelle und erinnerungskulturelle Kontinuitäten bis in die Gegenwart reichen.
The study examines the influence of exiled National Socialists on the development of the Syrian security apparatus following Syrian independence in 1946. Building on the institutional structures of the French Mandate period, the young state modernized its intelligence services and armed forces through the systematic recruitment of former SS and Wehrmacht officers. These individuals contributed their knowledge and wartime experience during four mission phases between 1948 and 1956. Independently of these groups, National Socialists, some of whom were heavily incriminated, also worked for Syrian governments between 1947 and the 1980s and were protected by them from post-war justice. Their activities encompassed almost all areas relevant to security: from training, personal protection and advice to presidents to the introduction of torture methods, counter-espionage and active participation in combat. Their contribution to the development of an emerging system of repression and extermination was limited, but by no means insignificant; the idea of the so-called Third Reich demonstrably served Syria as an ideal reference point. The findings thus contribute to a deeper understanding of the Syrian Mukhabarat, to the research of transnational Nazi post-history and to the reappraisal of an intertwined German-Syrian contemporary history, whose institutional and memory-cultural continuities persist into the present.
Keywords
intelligence research, Syria, army, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, historical security research, Franz Rademacher, National Socialism, security, Wehrmacht, Völkerrecht, Walther Rauff, Folter, Middle East, Mukhabarat, Gefängnis, military, Nazis, intelligence service, Geheimdienstforschung, Alois Brunner, militärische Beratermissionen, Husni al-Zaim, Hafiz al-Assad, NS-Kontinuitäten