(Un)Sichtbare Sexarbeit - Eine ethnographische Fallstudie über (un)sichere Lebensrealitäten von Menschen in der Sexarbeit auf den Philippinen
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Philipps-Universität Marburg
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Sexarbeit geht mit Unsicherheiten einher – Unsicherheiten, die sowohl Menschen in als auch außerhalb der Sexarbeit betreffen und von Sicherheitsakteur:innen adressiert werden müssen. So zumindest der globale, dominanzgesellschaftliche Sexarbeitsdiskurs, der Menschen in der Sexarbeit vereinfacht als passive Opfer unter dem Deckmantel einer konsenslosen Sexarbeit konstruiert. Hegemoniale Akteur:innen verstricken sich dabei in moralische Debatten und entscheiden darüber, welche Personen und Handlungen als potentielle Unsicherheiten wahrgenommen werden. Die Lebensrealitäten von Menschen in der Sexarbeit sind jedoch weitaus komplexer, als es hegemoniale Sexarbeitsdiskurse vermuten lassen.
Auf Grundlage einer ethnographischen Fallstudie auf den Philippinen und Gesprächen mit sexarbeitenden Personen untersucht diese Arbeit die Bedeutung von (Un)Sicherheit in einem illegalisierten und stigmatisierten Umfeld im Kontext diskursiver und räumlicher (Un)Sichtbarkeiten sowie alltäglicher Begegnungen von sexarbeitenden Personen. Die zentrale Fragestellung lautet: Wie, unter welchen Bedingungen und an welchen (Nicht-)Orten werden Menschen in der Sexarbeit (un)sichtbar (gemacht) und inwiefern beeinflussen (Un)Sichtbarkeiten (un)sichere Lebensrealitäten sexarbeitender Personen? Durch die Zusammenführung theoretischer Konzepte von (Un)Sichtbarkeit und (Un)Sicherheit im Rahmen einer feministischen und engagierten Sexarbeitsforschung werden plurale Stimmen sexarbeitender Personen sichtbar gemacht und differenziert dargestellt.
Das Ziel der Arbeit ist es, einen Beitrag zur Debatte über Sexarbeit zu leisten, indem Sexarbeit nicht (mehr) per se als Unsicherheit verstanden wird, sondern die subjektive Wahrnehmung sexarbeitender Personen auf (Un)Sicherheiten sowie der strategische Nutzen von (Un)Sichtbarkeit untersucht werden. Darüber hinaus trägt die Arbeit dazu bei, (Un)Sichtbarkeit als zentrale Analyseebene in anthropologische Sicherheitsforschungen zu integrieren und eröffnet so neue Perspektiven für zukünftige Forschungen an der Schnittstelle zwischen (Un)Sichtbarkeit und (Un)Sicherheit. Die Arbeit fordert eine kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Wahrnehmungen von Sexarbeit und den Auswirkungen von Illegalisierung und Stigmatisierungen auf sexarbeitende Personen. Anstelle eines Sprechens ‚über‘ sexarbeitende Menschen als homogene Masse plädiert die Arbeit für ein Sprechen ‚mit‘ Menschen in der Sexarbeit und für einen differenzierteren Sexarbeitsdiskurs.
Sex work is associated with various insecurities that, according to prevailing discourses, must be addressed through the interventions of security actors. This is how global discourses on sex work often portray sex workers as passive victims under the guise of non-consensual sex work. Hegemonic actors engage in moral debates and determine who and what should be perceived as potential insecurities. However, the realities of people in sex work are far more complex than hegemonic discourses suggest.
Based on an ethnographic case study in the Philippines and conversations with people engaged in sex work, this thesis examines the meaning of (in)security in a criminalized and stigmatized environment, particularly in the context of discursive and spatial (in)visibilities and the everyday encounters of sex workers. The central research question is: How, under what conditions, and in which (non-)places are people in sex work made (in)visible, and how do these (in)visibilities affect the (in)secure lived realities of sex workers? By integrating theoretical concepts of (in)visibility and (in)security within a feminist and engaged sex work research framework, this thesis brings to light nuanced portrayals of the diverse voices of people in sex work.
The aim of this thesis is to contribute to the debate on sex work by shifting the understanding of sex work as inherently insecure towards examining the perceptions of sex workers regarding insecurities and the strategic management of (in)visibility. Furthermore, this thesis contributes to the inclusion of (in)visibility as a central analytical concept within a critical anthropology of security and opens new perspectives for future research at the intersection of (in)visibility and (in)security. The thesis calls for a critical engagement with dominant perceptions of sex work and the impacts of criminalization and stigma. Instead of speaking 'about' sex workers as a homogeneous group, this work advocates for engaging in dialogue 'with' people in sex work, promoting a more differentiated discourse on sex work.
Keywords
(in)security, Philippines, sex work, (in)visibility, (Un)Sicherheit, (Un)Sichtbarkeit, Philippinen